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Zu alt? - Alter und Finanzierung bei KJP-Ausbildung
Verfasst am: 20. 01. 2017 [11:49]
jennifer34
Themenersteller
Dabei seit: 20.01.2017
Beiträge: 1
Liebe PiAs, Liebe Therapeut*innen,

ich bitte um euren Rat, wie realistisch unter meinen Voraussetzungen eine KJP-Ausbildung ist. Ich bin bereits 34, habe aber leider keine Eltern/Partner, die mich finanziell bei der Ausbildung unterstützen können. Ich würde gerne die 5-jährige berufsbegleitende Ausbildung forcieren. Nach meiner Schätzung käme ich etwa mit 15-20.000 Schulden aus der Ausbildung.

Sorgen bereitet mir auch die Zeit danach: mein Ziel einer selbständigen Praxistätigkeit. Hier wäre noch der „Abkauf“ einer Kassenzulassung nötig ist, in meinen Wunschregionen beträgt diese etwa 30.000 EUR. Ich müsste somit nach der Ausbildung noch „Sparzeit“ für die Kosten der Praxiszulassung einkalkulieren. Wenn man mit 5,6 Jahren Ausbildungszeit und weiteren 2,3 Jahren „Sparzeit“ rechnet, wäre schließlich erst mit 41-43 an meinem Ziel angekommen. Da mein Mann leider nicht viel verdient, wäre ich somit „Hauptverdiener“.

Meine Frage ist hierbei: Kann sich in meinem Fall die Ausbildung überhaupt noch rechnen, oder bin ich letztlich zu alt? Zumal ich mit 41-43 ziemlich hoch verschuldet sein würde. Wenn man die verfügbaren statistischen Werte des Nettogehalts bei niedergelassenen PT/KJP betrachtet, bewegen sich diese meist in einem Bereich von 2700-3000 EUR. Sind diese Werte tatsächlich realistisch – und liegen sie wirklich so weit hinter Arztgehältern?. Ich habe letztlich die Angst, dass die gesamte Kostenkonstellation einstürzt, wenn in den 9 Jahren etwas dazwischen kommt (Kind etc.). Hinzu kommt, dass man als Selbstständiger hohe Kosten für Krankenversicherung, Rentenversicherung etc. hat . Womöglich wäre es nötig, in der eigenen Praxis zu leben/wohnen, um die Mietkosten zu minimieren? Ich frage mich momentan oft, ob es auch andere PiA / Psychotherapeuten gibt, die nicht „aus gutem Hause“ kommen, und es doch geschafft haben – ohne Zuschüsse von Eltern oder Partner. icon_rolleyes.gif

Liebe Grüße
Jennifer
 
Verfasst am: 20. 01. 2017 [23:01]
sigmund
Dabei seit: 23.07.2013
Beiträge: 103
"Jennifer34" schrieb:
Nach meiner Schätzung käme ich etwa mit 15-20.000 Schulden aus der Ausbildung.


Wie kommst Du auf diesen Betrag?

Lebst Du in derselben Stadt wie Dein Ausbildungsinstitut und kannst Du in dieser Stadt auch die Praktika machen?

Wenn nein, solltest Du Fahrt- und Übernachtungskosten realistisch ansetzen.

"Jennifer34" schrieb:
Sorgen bereitet mir auch die Zeit danach: mein Ziel einer selbständigen Praxistätigkeit. Hier wäre noch der „Abkauf“ einer Kassenzulassung nötig ist, in meinen Wunschregionen beträgt diese etwa 30.000 EUR. Ich müsste somit nach der Ausbildung noch „Sparzeit“ für die Kosten der Praxiszulassung einkalkulieren.


Wenn Du die selbstständige Praxis anstrebst, um mehr Geld zu verdienen als in der Anstellung, wäre ein Kredit zu überlegen, um möglichst rasch das bessere Einkommen zu erlangen.

"Jennifer34" schrieb:
Meine Frage ist hierbei: Kann sich in meinem Fall die Ausbildung überhaupt noch rechnen, oder bin ich letztlich zu alt?


Das lässt sich aus der Ferne nicht beantworten. Ich kann Dir nur empfehlen, Dich mit Kreditrechnern und der Zinsrechnung vertraut zu machen. Du brauchst ein Gefühl dafür, was es bedeutet, über drei Jahre pro Monat 200 Euro weniger zu verdienen, und wie lange es dauert, bis man das - mit Zinsen - wieder hereingebracht hat.

Dabei ist zu berücksichtigen:

- Wieviel Geld würdest Du verdienen, wenn Du von einer Entwicklung ohne Therapieausbildung ausgehst?

- Variante mit Therapieausbildung:
-- Wieviel Geld verdienst Du während der Ausbildung?
-- Wann kommen die Einnahmen während der Ausbildung konkret herein: Wenn Du am 20.1.2017 eine Einheit mit Herrn X arbeitest, an welchem Tag wird das Honorar auf Deinem Konto gutgeschrieben?
-- Wieviel musst Du wann (zurück)zahlen?

"Jennifer34" schrieb:
Zumal ich mit 41-43 ziemlich hoch verschuldet sein würde. Wenn man die verfügbaren statistischen Werte des Nettogehalts bei niedergelassenen PT/KJP betrachtet, bewegen sich diese meist in einem Bereich von 2700-3000 EUR. Sind diese Werte tatsächlich realistisch – und liegen sie wirklich so weit hinter Arztgehältern?


Natürlich, die Entgelttarifverträge kannst Du Dir ja z.B. auf der HP des Marburger Bundes ansehen.

Bei den niedergelassenen KJP-Einkommen kenne ich mich nicht aus. Dass man als KJP eine Anstellung mit 2700 EUR netto findet, halte ich aber für unwahrscheinlich.

Selbst ein PP, der mit TV-L E13 abgespeist wird, bekommt das erst in der vorletzten Gehaltsstufe.

Du liegst als PP/KJP immer sehr weit hinter den Arztgehältern, und dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass die Ärzte vom ersten Tag an z.B. Ä1 bekommen, während der PP/KJP erst einmal um Hartz IV streitet.

Ich habe auch gehört, dass sich viele PP unbeliebt machen, indem sie ihren Kassensitz (freiwillig!) nicht auslasten. Das ist doch eher ein Zeichen dafür, dass die Arbeit sehr anstrengend ist.

"Jennifer34" schrieb:
Ich habe letztlich die Angst, dass die gesamte Kostenkonstellation einstürzt, wenn in den 9 Jahren etwas dazwischen kommt


Es stimmt schon, wenn Du ernsthaft krank wirst, oder Dein Mann krank wird, sind vielleicht zwei Existenzen zerstört. Man kann das teilweise versichern, aber das kostet natürlich Geld.

"Jennifer34" schrieb:
(Kind etc.).


Die Familiengründung ist Deine aktuelle Lebensaufgabe, vor der Du nicht weglaufen solltest (z.B. in irgendeine jahrelange Pseudo-Aufgabe). Ich würde mich an Deiner Stelle lieber tiefgreifend mit diesem Thema beschäftigen.

Viele "Karrierefrauen" haben am Ende des Tages weder eine Karriere noch Kinder. Sobald diese Einsicht kommt, wird das Leben oftmals bitter. Du hast vermutlich eine hohe Lebenserwartung und wirst am Ende mindestens zwei Jahrzehnte ohne Berufstätigkeit verbringen. Wer wird sich um Dich kümmern, wenn Du es brauchst? Zu wem wirst Du soziale Kontakte pflegen? Wer wird Dich "kennen"? Mit wem wirst Du vertraulich reden? Wer wird Dich als Vorbild nehmen? Wie wird es Dir gehen, wenn Du junge Frauen mit Kinderwagen siehst?

"Jennifer34" schrieb:
Hinzu kommt, dass man als Selbstständiger hohe Kosten für Krankenversicherung, Rentenversicherung etc. hat . Womöglich wäre es nötig, in der eigenen Praxis zu leben/wohnen, um die Mietkosten zu minimieren?


Inwiefern soll das Mietkosten minimieren? Mit dem Mann wirst Du ja kaum im Arbeitszimmer auf der Couch schlafen, also brauchst Du entweder ein größeres Objekt oder zwei kleine Objekte, oder eben die Wohnung und einen Raum in einer Praxis-/Bürogemeinschaft.

"Jennifer34" schrieb:
Ich frage mich momentan oft, ob es auch andere PiA / Psychotherapeuten gibt, die nicht „aus gutem Hause“ kommen, und es doch geschafft haben – ohne Zuschüsse von Eltern oder Partner. icon_rolleyes.gif


Ich kenne niemanden, der es ohne Familie/Mann/Sugardaddy geschafft hätte. Irgendjemand lässt immer ein paar Hunderter springen.

Du kannst aber davon ausgehen, dass die Entscheidung zur Therapieausbildung normalerweise nicht rational erfolgt, sondern aus Bauchgefühl und Luftschlössern besteht, und zwar auf der kognitiven Stufe einer Uniabsolventin, die alleine kaum lebensfähig wäre.

Viele besitzen sozusagen nur das, was sie gerade am Körper tragen, denn sonst bekämen sie nicht HARTZ IV:

https://www.youtube.com/watch?v=youA8ktaMY0#t=53m32s

Zitat: "Entweder, Sie haben Ressourcen, oder, was ich jetzt neuerdings gehört habe, es gibt immer mehr schon, die zumindest Hartz IV-Satz bekommen. Also man kann, wenn man die nötigen Voraussetzungen hat, auch Hartz IV beantragen, also dieses Arbeitslosengeld 2."

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 20.01.2017 um 23:05.]
 
Verfasst am: 29. 05. 2017 [22:15]
zora
Dabei seit: 29.05.2017
Beiträge: 2
Hallo, jennifer34,

dein Beitrag ist zwar schon länger her, aber ich antworte jetzt mal trotzdem, weil du ja eigentlich eher nach jemandem suchst, der dir ein bisschen Mut macht, oder?

Ich habe selbst zwei Jahre lang überlegt, ob ich mir den Traum von der KJP-Ausbildung erfülle und dann beschlossen, dass ich es wage, da ich eben so lange nicht davon abgewichen bin.

Ich bin nicht aus vermögendem Hause. Ich bin jetzt 40 Jahre alt, mit dem dritten Kind schwanger, Hauptverdienerin (Sozialarbeiterin)und mein Mann arbeitet in Teilzeit vormittags und kümmert sich um Haushalt und Kinder. Wir haben einen ganz normalen Haushalt ohne furchtbare Entbehrungen, aber natürlich mit einigen Sparmaßnahmen; das Institut ist knapp 50km entfernt.

Ich bin jetzt im vierten Semester in der KJP-Ausbildung (PA+TP) und obwohl die umfangreiche Selbsterfahrung, die Spritkosten, Semestergebühren etc. einiges kosten, bin ich jetzt eher an einem Punkt, dass ich gut "durchsteige" und eine genauere Vorstellung davon habe, wie ich den Rest auch noch schaffe und daher viel weniger schwankend, als am Anfang.

Ich habe mir einen Plan/eine Tabelle gemacht, der die einzelnen Semester mit ihren jeweiligen Aufgaben, Kosten und auch Zeitaufwand abbildet, den ich jedes Semester aktualisiere.
Das lohnt sich auf jeden Fall und bildet deine individuellen Gegebenheiten ab, erfordert vorab aber auch viel Arbeit in Bezug auf Recherche und ein wenig Mut, die Wissenslücken zunächst mit Annahmen zu füllen und später zielsicher zu klären.
Meine Schwangerschaft nehme ich so nicht als Rückschlag, der Plan muss nur angepasst werden...

Es bleibt also bei der Frage, was ist es dir wert? Dabei geht es auch, aber nicht nur um Geld.
Und wäre es nicht schade, wenn wir als PIAs und später Therapeuten nicht eine bunte Mischung aus Menschen mit verschiedenen Lebenserfahrungen und Voraussetzungen wären? Ich wünsche dir gutes Gelingen bei deiner Entscheidungsfindung! icon_smile.gif
Viele Grüße, Zora
 
Verfasst am: 15. 07. 2017 [08:32]
mahindra
Dabei seit: 25.05.2015
Beiträge: 1
Schönes Thema, an dem ich mich auch abgearbeitet hatte...

Als ich mich entschloss die Ausbildung zu beginnen, war ich 47.
Ich finanziere alles selber, bekomme keine(und möchte auch keine)finanzielle Unterstützung.

Im Vorfeld habe ich mir ein kleines finanzielles Polster angespart um für einen eventuellen Notfall gerüstet zu sein.
.....der nie eingetreten ist.....

Ich arbeite, lerne, behandele Patienten, uws.
Es ist knapp, aber es geht.

Vielleicht hilft das.
Ich wünsch Dir eine gute Ausbildung!
 



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