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Abrechnungsdaten über Epidemiologie der Depression ausgewertet
06.06.2012 15:14
Interessante Schlussfolgerungen für die Psychotherapie
Das Zentralinstitut (ZI) der KBV hat einen sehr interessanten Bericht zur Epidemiologie der Depression anhand von der KBV zur Verfügung stehenden Daten vorgelegt. Methodisch positiv hervorzuheben ist, dass das ZI von einer „administrativen Prävalenz“ spricht, d.h. von der Prävalenz auf der Grundlage von Abrechnungsdaten. Die Schlussfolgerungen sind wichtig und fair gegenüber den Psychotherapeuten:
Der Anteil der leichten Depressionsdiagnosen an allen Depressionsdiagnosen ist nur schwach mit der Therapeutendichte assoziiert. In Regionen mit hoher Versorgungsdichte ist der Anteil leichter Depressionen kaum erhöht, der Anteil schwerer Depressionen an allen Depressionsdiagnosen entspricht dem in Regionen mit geringer Versorgungsdichte.
Der Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von Depressionsdiagnosen und der Versorgungsdichte wird so interpretiert: In Regionen mit einer höheren Versorgungsdichte besitzen die psychiatrischen, nervenärztlichen und psychotherapeutischen Einrichtungen einen höheren direkten Bekanntheitsgrad, so dass die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme für die Betroffenen geringer ist. In Regionen mit hoher Versorgungsdichte dürfte andererseits auch für somatische Ärzte eine geringere Hemmschwelle bestehen, eine Depressionsdiagnose auszusprechen und Patienten in die entsprechende fachliche Versorgung weiterzuleiten. In Regionen mit geringer Häufigkeit an Psychiatern, Nervenärzten und Psychotherapeuten könnte die Stellung einer Depressionsdiagnose auch deswegen unterbleiben, weil der ersten Versorgungsebene (Haus- oder Fachärzte) bekannt ist, dass z.B. keine bzw. zu wenig Therapieplätze zur Verfügung stehen.
Die Stellung einer Diagnose unterbleibt somit, da dies bedeutet, dass der Patient bei der (langwierigen und mühsamen) Suche nach einem Therapieplatz unterstützt werden muss und dies im schlechtesten Fall die Arzt-Patient-Beziehung wegen der Unzufriedenheit des Patienten belastet, obwohl der Arzt alles Mögliche unternommen hat.