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Bundesverwaltungsgericht zieht Fazit zum Zugang zur Psychotherapieausbildung: Der Master zählt! Doch etwas fehlt …

12.09.2017 12:51

Gemäß Psychotherapeutengesetz sei allerdings bislang ein Bachelorstudiengang (vor dem Master) gar nicht notwendig, der bisherige Zugang sei gesetzlich nicht ausreichend geregelt.

Am 17. August 2017 entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, dass der erfolgreiche Abschluss eines Masterstudiengangs im Studienfach Psychologie an einer deutschen Universität die wichtigste Zugangsvoraussetzung für eine Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin bzw. zum Psychologischen Psychotherapeuten erfüllt. Gleichzeitig gab das Bundesverwaltungsgericht der Regierung gegenüber zu bedenken, dass es noch keine gesetzliche Klarifizierung dazu gebe, da bislang trotz „Bologna“ eine Reform des Psychotherapeutengesetzes ausgeblieben sei.

Bemängelt wird, dass trotz Bologna-Prozess der Paragraf 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG), keine Änderung erfuhr. Letztlich finde sich im Wortlaut der bisherigen Norm keinerlei Hinweis, dass für den Ausbildungszugang auch ein Bachelor-Abschluss in Psychologie vorliegen müsse. So hält das Gericht diesen (aktuell) nicht für zwingend notwendig. Hier wird unseres Erachtens eine Lücke deutlich, denn ein Bachelor sollte selbstverständlich vor dem Master für Psychotherapeuten (PP und KJP) liegen. Hier sind, ohne die bereits angestrebte Reform und die Neuregelung der Ausbildung, weitere Klagen und Urteile zu erwarten. Eine Reformierung des PsychThG ist u. E. seit langem überfällig, die Gesetzeslücke sollte im Sinne einer guten Patientenversorgung und Ausbildung dabei geschlossen werden. Das Urteil macht einmal mehr deutlich, dass die Ausbildungsreform inkl. der Klarifizierung des Zugangs nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden sollte. Unseres Erachtens wäre ein verpflichtender Bachelor und Master in dem neu einzurichtenden Studiengang Psychotherapie als Voraussetzung, wie bereits in dem aktuellen Gesetzesentwurf der Regierung zur Reform vorgeschlagen, ein sehr guter Weg. Auch der Deutsche Psychotherapeutentag hat bereits mehrfach und mehrheitlich für ein solches Psychotherapie-Studium gestimmt, so dass viele Vorschläge aus der Profession mitgedacht sind (vgl. www.bptk.de/aktuell/einzelseite/artikel/nach-der-bun.html). Bis eine Reform des PsychThG durch ist, müssen wir allerdings noch mit den Mängeln leben.

Genaueres zu dem o.g. Urteil zitieren wir im Folgenden aus der gerichtlichen Pressemitteilung: „Die Klägerin schloss 1996 ein Fachhochschulstudium zur Diplom-Sozialpädagogin ab und arbeitete in der Folgezeit in einer psychosozialen Beratungsstelle. Ab 2009 studierte sie berufsbegleitend im Masterstudiengang Psychologie an einer staatlich anerkannten Universität. Die Zulassung zum Masterstudium erfolgte mit der Auflage, verschiedene Brückenkurse zu belegen. Nach bestandener Abschlussprüfung, die das Fach Klinische Psychologie einschloss, verlieh ihr die Universität im September 2013 einen Mastergrad. Im Anschluss beantragte sie beim Beklagten die Prüfung ihrer Zugangsberechtigung für die Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Mit Bescheid vom 4. März 2014 stellteder Beklagte fest, dass die Voraussetzung für den Ausbildungszugang nach § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG)* nicht vorliege, weil die Klägerin keinen Bachelorabschluss in Psychologie habe. Widerspruch und Klage gegen den Bescheid blieben ohne Erfolg. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof wies auch die Berufung der Klägerin zurück. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Urteile der Vorinstanzen geändert und den Beklagten zur Feststellung verpflichtet, dass die Klägerin die Voraussetzungen für den Zugang zur Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin erfüllt. Der von ihr bestandene Masterabschluss ist eine Abschlussprüfung im Sinne des § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a PsychThG. Das Erfordernis eines zusätzlichen Bachelorabschlusses in Psychologie lässt sich der Vorschrift nicht entnehmen. Für einedahingehende Auslegung genügt nicht, dass der Gesetzgeber bei Erlass des Psychotherapeutengesetzes im Jahr 1998 als Zugangsvoraussetzung die Diplomprüfung im Studiengang Psychologie vor Augen hatte. Er hat die durch den sog. Bologna-Prozess bewirkte Umstellung der Studienstrukturen auf Bachelor- und Masterabschlüsse bislang nicht zum Anlass genommen, § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a PsychThG zu ändern oder zu reformieren. Wegen der grundsätzlichen Gleichstellung des Masterabschlusses an einer Universität mit dem Diplomabschluss an einer Universität ist daher unter Abschlussprüfung im Sinne des § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a PsychThG neben der Diplomprüfung auch die Masterprüfung zu verstehen. Hingegen findet sich im Wortlaut der Norm kein Anknüpfungspunkt dafür, dass für den Zugang zur Ausbildung auch ein Bachelorabschluss in Psychologie vorliegen muss.“BVerwG 3 C 12.16 - Urteil vom 17. August 2017Vorinstanz: Verwaltungsgericht Hessen (VGH)